Kundenanforderung
Befestigungselemente wie Kabelbinder und Kunststoffdübel (Dübel) werden häufig in den Norden geliefert. Im Winter müssen Klimaanlagen und Rohrleitungen bei minus zehn Grad oder kälter im Freien installiert werden, auch in Kühlhäusern. Die Anforderung der Kunden ist einfach: Kabelbinder dürfen beim Festziehen im Winter nicht reißen, Dübel dürfen beim Einschlagen in die Wand mit dem Hammer nicht brechen.
Problem in der Produktion
Mit dem gleichen Material und der gleichen Form gab es im Sommer fast keine Reklamationen. Ab November stiegen die Retouren: Kabelbinder rissen beim Festziehen mit einem 'Knack' an der Basis des Verschlusses; Dübel brachen beim Einschlagen in mehrere Teile. Ein weiteres Phänomen ist aufschlussreich: Frisch gespritzte Ware war spröder als Ware, die einige Tage gelagert wurde. Ware, die den Winter über in einem nördlichen Lager verbracht hatte, brach leichter als frisch gelieferte Ware.
Zuerst die Bruchstelle der gebrochenen Teile untersuchen: Die Bruchfläche ist glatt und glänzend, ohne Fadenbildung oder Aufhellung – das ist ein typischer Sprödbruch, kein Überlastungsbruch. Dann Material und Prozess prüfen: Frisch entformtes Nylon enthält fast kein Wasser und ist am sprödsten. Im trockenen Winter entweicht die Feuchtigkeit aus dem Produkt allmählich. Trockenheit und Kälte zusammen machen Nylon spröde statt zäh.
Modifizierungslösung
Allein durch Konditionierung lässt sich das Problem nur vorübergehend lösen – im nördlichen Lager wird das Material wieder austrocknen. Die Ursache muss also am Material selbst behoben werden.
Erstens: Dem PA6 einen mit Nylon kompatiblen Elastomer-Schlagzähmodifikator hinzufügen, zusammen mit einem Kompatibilisator, damit die Schlagzähphase fein verteilt und fest mit der Matrix verbunden ist – bei schlechter Verteilung wirkt der Modifikator nur als 'Verunreinigung': Die Festigkeit sinkt, die Zähigkeit steigt aber nicht.
Zweitens: Die Menge des Schlagzähmodifikators muss mit echten Mustern getestet werden: Zu wenig – das Material bleibt bei Kälte spröde; zu viel – der Kabelbinder wird weich, die Klemmkraft reicht nicht, und der Dübel hält nicht in der Wand. In der Regel werden zwei bis drei Konzentrationsstufen angesetzt, zu Kabelbindern und Dübeln gespritzt, im Kühlschrank eingefroren und dann Festzieh- und Schlagtests unterzogen. Die Stufe mit den wenigsten Brüchen und angemessener Haptik wird ausgewählt.
Drittens: Dem Kunden Verpackungsempfehlungen geben: Nach dem Entformen konditionieren, dann in luftdichten Beuteln verpacken, um Feuchtigkeitsverlust während Transport und Lagerung zu minimieren.
Ergebnis
Mit dem schlagzähen Material brachen die Kabelbinder nach dem Einfrieren im Kühlschrank beim Festziehen nicht mehr an der Basis; die Dübel zeigten beim Einschlagen deutlich weniger Risse an der Spitze. Die winterlichen Retouren dieser Art verschwanden praktisch vollständig. Der Kunde muss nicht mehr zwischen Sommer- und Winterrezeptur wechseln, und die Lagerhaltung wird einfacher.
Vorgehen
- Bruchstücke sammeln und Bruchfläche untersuchen: Sprödbruch oder Überlastungsbruch unterscheiden
- Spritzguss und Lagerung prüfen: Feuchtigkeitsgehalt nach dem Entformen, Verpackungsart, Lieferregion
- 2–3 Konzentrationsstufen des Schlagzähmodifikators anfertigen, einfrieren und Festzieh- und Schlagversuche durchführen
- Rezeptur auswählen, Konditionierungs- und Verpackungsempfehlungen geben, Serie liefern und das Feedback des ersten Winters auswerten.
| Merkmal | Vorher | Nachher |
|---|---|---|
| Montage bei Kälte | Bricht leicht beim Festziehen/Einschlagen | Behält Zähigkeit bei Kälte |
| Saisonale Unterschiede | Gehäufte Reklamationen im Winter | Stabile Leistung das ganze Jahr |
| Material | Standard PA6 / PA66 | Schlagzäh modifiziertes PA6 / PA66 |
