PA6 und PA66 sind die beiden meistverwendeten Polyamide. Ihre Namen unterscheiden sich nur durch eine „6“, und auch optisch sind sie kaum zu unterscheiden – bei Wärmebeständigkeit, Feuchtigkeitsaufnahme, Verarbeitung und Preis haben sie jedoch jeweils eigene Stärken. Eine falsche Wahl führt im günstigsten Fall zu verzogenen Bauteilen, im schlimmsten Fall zu Nacharbeit ganzer Chargen. Im Folgenden vergleichen wir beide Werkstoffe unter fünf Gesichtspunkten.
1. Wärmebeständigkeit: PA66 liegt höher
PA66 hat einen Schmelzpunkt von etwa 260℃, PA6 von etwa 220℃. Durch Glasfaserverstärkung steigt die Wärmeformbeständigkeit bei beiden deutlich an, doch PA66 liegt in der Regel weiterhin eine Stufe höher. Für Bauteile, die dauerhaft hohen Temperaturen ausgesetzt sind – etwa im Motorraum oder in der Nähe wärmeerzeugender Bereiche von Elektrogeräten – wird in der Regel PA66 bevorzugt.
2. Steifigkeit und Zähigkeit: PA66 eher steif, PA6 eher zäh
Unter gleichen Bedingungen bietet PA66 etwas höhere Festigkeit und Steifigkeit; PA6 weist meist bessere Zähigkeit, Schlagfestigkeit und Oberflächenglanz auf. Für Konstruktionen mit wiederholt montierten Schnappverbindungen oder solche, die bei einem Fall nicht brechen dürfen, ist PA6 oder schlagzähmodifiziertes PA6 oft die bessere Wahl.
3. Feuchtigkeitsaufnahme: beide nehmen Wasser auf, PA6 etwas mehr
Polyamid nimmt Feuchtigkeit aus der Luft auf. Dadurch wird der Werkstoff zäher, Festigkeit und Steifigkeit sinken jedoch, und die Abmessungen nehmen leicht zu. Im Allgemeinen liegt die Wasseraufnahme von PA6 etwas über der von PA66. Bei Bauteilen mit hohen Anforderungen an die Maßhaltigkeit sollten die durch Feuchtigkeitsaufnahme bedingten Veränderungen bereits in der Konstruktion berücksichtigt oder glasfaserverstärkte bzw. mineralgefüllte Compounds eingesetzt werden, um den Einfluss zu verringern.
4. Verarbeitung: PA6 hat das breitere Prozessfenster
PA6 hat einen niedrigeren Schmelzpunkt und ein breiteres Verarbeitungstemperaturfenster, stellt vergleichsweise geringere Anforderungen an Werkzeug und Maschine, und bei Sichtteilen lässt sich leichter eine gute Oberfläche erzielen. PA66 kristallisiert schnell und ermöglicht kurze Zykluszeiten, eignet sich daher für die Großserienfertigung, erfordert aber eine strengere Temperaturführung.
5. Kosten: PA66 ist meist teurer
In den meisten Fällen ist PA66-Rohstoff teurer als PA6; die genaue Preisdifferenz schwankt mit dem Rohstoffmarkt. Wenn PA6 die Leistungsanforderungen bereits erfüllt, lassen sich mit PA6 die Materialkosten deutlich senken.
Einfache Auswahlhilfe
1. Dauerhaft hohe Temperaturen, hohe Steifigkeit gefordert: bevorzugt PA66 oder glasfaserverstärktes PA66.
2. Zähigkeit, Optik und Kosten im Vordergrund: bevorzugt PA6 oder schlagzähmodifiziertes PA6.
3. Flammschutz gefordert: Für beide gibt es flammgeschützte Compounds; die Wahl erfolgt dann nach Wärmebeständigkeit und Kosten.
4. Im Zweifelsfall: Einsatztemperatur, Belastungsart, Wanddicke und Zertifizierungsanforderungen zusammenstellen und anschließend mit Musterteilen validieren.
RJF Plastics liefert sowohl PA6- und PA66-Basisharze als auch zahlreiche modifizierte Compounds und berät Sie gerne bei der Werkstoffauswahl für Ihr Bauteil. Die obigen Angaben sind allgemeine Informationen; maßgeblich für die konkreten Eigenschaften ist das jeweilige Datenblatt.
