Kunden aus den Bereichen Elektrogeräte, Steckverbinder und Leistungsschalter fragen bei Anfragen häufig: Brauche ich „halogenfrei flammgeschützt“ oder „mit rotem Phosphor flammgeschützt“? Die beiden Begriffe liegen eigentlich nicht auf derselben Ebene. Sind die Begriffe erst einmal geklärt, wird die Werkstoffauswahl deutlich einfacher.

1. Roter Phosphor ist eigentlich auch halogenfrei

„Halogenfrei“ bedeutet, dass keine Halogene wie Brom oder Chlor enthalten sind. Roter Phosphor selbst enthält keine Halogene, streng genommen gehört Flammschutz mit rotem Phosphor also ebenfalls zum halogenfreien Flammschutz. Mit „halogenfrei flammgeschütztem Polyamid“ sind in der Branche meist speziell Rezepturen mit phosphorbasierten (z. B. Phosphinat) oder stickstoffbasierten (z. B. Melamin-Typ) Flammschutzmitteln gemeint; zur Abgrenzung von Systemen mit rotem Phosphor werden sie üblicherweise getrennt bezeichnet.

2. Farbe: halogenfrei auch hell möglich, roter Phosphor eher dunkel

Roter Phosphor hat eine rotbraune Eigenfarbe, daher lässt sich mit rotem Phosphor flammgeschütztes Polyamid in der Regel nur in dunklen Farben wie Rot oder Schwarz herstellen. Polyamid mit Phosphinat- oder Stickstoff-Flammschutz ist in Natur, Weiß und Hellgrau möglich und lässt sich gut einfärben – geeignet für Bauteile mit Farbanforderungen, etwa Steckverbinder und Klemmenblöcke.

3. Flammschutz und elektrische Eigenschaften

Beide Werkstofftypen können die gängige Einstufung UL94 V-0 erreichen, abhängig von Rezeptur und Wanddicke. In glasfaserverstärktem PA66 ist das System mit rotem Phosphor sehr effizient, benötigt geringe Zugabemengen und erhält die mechanischen Eigenschaften gut; Phosphinat-Systeme bieten gute elektrische Isolationseigenschaften und werden häufig dort eingesetzt, wo Anforderungen an die Kriechstromfestigkeit (CTI) bestehen.

4. Worauf zu achten ist

Bei Werkstoffen mit rotem Phosphor ist auf die Langzeitstabilität unter hoher Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu achten; das Material muss trocken gelagert werden, die Verarbeitungstemperatur sollte nicht zu hoch und die Verweilzeit nicht zu lang sein. Halogenfrei flammgeschützte Werkstoffe sind ebenso temperaturempfindlich: Zu hohe Temperaturen führen leicht zu Zersetzung und Ausblühungen, was Oberfläche und Werkzeug beeinträchtigt. Beide Werkstofftypen müssen vor dem Spritzgießen gründlich getrocknet werden.

5. Wie wählt man aus?

1. Helle Farben, Natur oder Einfärbung erforderlich: halogenfreien Flammschutz (Phosphinat/stickstoffbasiert) wählen.

2. Dunkle Teile, glasfaserverstärkte Strukturbauteile, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis: glasfaserverstärktes PA66/PA6 mit rotem Phosphor in Betracht ziehen.

3. Klare Umwelt- oder Zertifizierungsanforderungen des Kunden oder Endabnehmers: nach dem Standard des Endabnehmers richten und zuerst klären, ob Systeme mit rotem Phosphor akzeptiert werden.

4. Zertifizierte Typen: Verlangt der Endabnehmer eine bestimmte UL Yellow Card, muss nach der zertifizierten Type ausgewählt werden; ein beliebiger Ersatz ist nicht möglich.

RJF Plastics bietet naturfarbene, halogenfrei flammgeschützte PA66- und PA6-Compounds sowie rote und schwarze flammgeschützte, glasfaserverstärkte Compounds an. Senden Sie uns gerne Ihre Anforderungen an Brandklasse, Farbe und Wanddicke. Die obigen Angaben sind allgemeine Informationen; maßgeblich für Zertifizierungen und Eigenschaften sind die jeweiligen tatsächlichen Unterlagen.