Polyamid ist ein typisch hygroskopischer Werkstoff. In vielen Spritzgießbetrieben lassen sich Schlieren, Blasen und spröde Teile letztlich auf dieselbe Ursache zurückführen: Das Material war nicht ausreichend getrocknet. Dieser Beitrag erklärt, warum getrocknet werden muss und wie man richtig trocknet.
1. Warum Polyamid getrocknet werden muss
Die Molekülketten von Polyamid enthalten Amidgruppen, die leicht Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen. Werden feuchte Granulate bei hoher Temperatur aufgeschmolzen, verdampft das Wasser und verursacht zudem eine Hydrolyse des Werkstoffs, wodurch das Molekulargewicht sinkt. Die Folge sind gleichzeitig Oberflächenfehler und Festigkeitsverlust.
2. Welcher Feuchtegehalt ist anzustreben?
In der Branche wird allgemein empfohlen, den Feuchtegehalt vor dem Spritzgießen unter 0.2% zu halten; bei Teilen mit hohen Anforderungen an Optik oder Eigenschaften kann er noch niedriger gehalten werden. Maßgeblich sind die Verarbeitungsempfehlungen des Materiallieferanten.
3. Probleme bei zu hohem Feuchtegehalt
1. Schlieren, Blasen und matte, trübe Oberflächen.
2. Sinkende Schmelzeviskosität, wodurch Fadenziehen bzw. Nachtropfen und Gratbildung wahrscheinlicher werden.
3. Hydrolyse des Werkstoffs, wodurch die Teile spröde werden und an Festigkeit verlieren.
4. Starke Schwankungen bei Maßen und Eigenschaften, instabile Chargen.
4. Wie wird getrocknet?
1. Anlage: Bevorzugt einen Trockenlufttrockner verwenden, da die Trocknung damit stabiler ist; herkömmliche Heißlufttrocknung wird stark von der Umgebungsfeuchte beeinflusst.
2. Temperatur und Zeit: Üblich ist eine Trocknung bei etwa 80℃ für 4~6 Stunden, angepasst an Material und Feuchtezustand.
3. Übertrocknung vermeiden: Bei zu hoher Temperatur oder zu langer Dauer vergilbt Polyamid leicht; bei hellen und naturfarbenen Materialien ist besondere Vorsicht geboten.
4. Wiederbefeuchtung verhindern: Getrocknetes Material möglichst rasch verarbeiten, den Trichter abdecken oder einen Trocknungstrichter verwenden und das Material nicht lange offen stehen lassen.
5. Material in Originalverpackung: Ungeöffnete, versiegelte Ware hat in der Regel einen niedrigen Feuchtegehalt, nimmt nach dem Öffnen jedoch schnell Feuchtigkeit auf – Restmengen daher wieder gut verschließen.
5. Konditionierung nach dem Spritzgießen
Frisch gespritzte Polyamidteile sind nahezu spritztrocken, weisen eine geringe Zähigkeit auf und brechen leicht spröde. Bei Teilen, die Zähigkeit benötigen, etwa Schnappverbindungen und Kabelbinder, kann eine Konditionierung (z. B. Wasserkochen oder Lagerung bei konstanter Temperatur und Luftfeuchtigkeit) erfolgen, damit die Teile eine angemessene Menge Feuchtigkeit aufnehmen, ihre Zähigkeit zurückgewinnen und maßlich stabil werden.
6. Eine einfache Vorgehensweise zur Fehlersuche
Treten in der Produktion Schlieren, Blasen oder plötzlich spröde Teile auf, zuerst die Trocknungsbedingungen und die Verweilzeit im Trichter prüfen und erst dann die Spritzgießparameter anpassen – das erspart oft viele Umwege.
RJF Plastics liefert PA6- und PA66-Harze sowie modifizierte Compounds und stellt entsprechende Verarbeitungsempfehlungen bereit. Die obigen Angaben sind allgemeine Informationen; maßgeblich für den konkreten Prozess sind die Empfehlungen des Materiallieferanten.
